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Vorerst letzte Bemerkungen zum Beschneidungsurteil

Hier kann man sich eine Beschneidung ansehen – wegen des Materials nur nach Anmeldung

Die Prozedur einer Beschneidung

Ein Arzt hatte im November 2010 eine Beschneidung mit nachfolgenden schweren Komplikationen durchgeführt. Das Amtsgericht Köln sprach ihn von der Anklage der schweren Körperverletzung am 21.9.2011 frei (Az. 528 Ds 30/11). Die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil wurde am 7.5.2012 verworfen  (Az. 151 Ns 169/11).

Seit dem letzten Urteil sind mehr als vier Monate vergangen, in denen von Seiten der Befürworter und Gegner teilweise sehr aggressiv diskutiert wurde. Selbst die Besonnenen beider Seiten konnten sich der Aggressivität nicht immer entziehen.

Die Vorwürfe gegen Kritiker der Beschneidung, nämlich die des Antisemitismus, von jüdischer Seite verknüpft mit dem Hinweis auf den Holocaust, und die der Islamophobie fehlten „natürlich“ nicht. Wir halten beide Vorwürfe gegenüber einem kleinen deutschen Bevölkerungsteil, der nach den vorliegenden Studien in etwa dem Wählerpotenzial der NPD entspricht, für berechtigt. Gegenüber dem anderen Teil sind sie unberechtigt.

Dem rechtsradikalen Teil der Deutschen muss begegnet werden, die Diskussionshoheit dürfen sie nicht erlangen. Dasselbe gilt aber auch für die aggressiven Religiösen, die auch ihre seriösen Kritiker als aggressiv diffamieren.

Derzeit halten wir die Rolle der aggressiven Religiösen, unabhängig vom jeweiligen Gott, dem sie gerade dienen, für weitaus bedenklicher als die der im rechtsradikalen Lager angesiedelten Deutschen. Während Rechtsradikalen und ihren Aktionen die einhellige heftige Abneigung der großen Mehrheit der deutschen Bevölkerung entgegenschlägt, ist die Haltung gegenüber Statements der aggressiven Religiösen von einer falschen Toleranz geprägt.

Woran macht sich das fest?

Auf juristischer Ebene wird über das Kindeswohl und die Unterordnung religiöser Rituale unter weltliches Recht gestritten. Beides scheint auf den ersten Blick klar und unmissverständlich. Auf den zweiten und dritten Blick ändert sich das, die engagierten Diskussionen haben des gezeigt.

Wir sind nicht in der Lage, qualifiziert juristisch zu argumentieren. Uns verstört aber, dass am 11.7.2012  ein Rabbiner in einer Talkrunde bei Anne Will die Bibel hochhält und lautstark und voller Überzeugung verkündet, dass dieses Buch sein Gesetz sei und weltliche Gesetze ihn nicht interessieren. Dafür bekommt er Zustimmung im Publikum und später in den Medien. Er ist nicht der Einzige der Religiösen, der so redet. Von den Funktionären muslimischer und christlicher Funktionäre bekommt er Zustimmung.

Uns drängt sich der Eindruck auf, dass durch die große Zuwanderung von Moslems in Europa und auch in Deutschland die Rückkehr des Religiösen in säkulare Gesellschaften stattfindet, mithin eine schleichende Aufweichung der Demokratien in Europa.

Christen und Juden verbünden sich mit Moslems, die aus Ländern kommen, in denen Christen und Juden genauso verfolgt werden wie Moslems, die nach Ansicht der Mehrheitsgesellschaft „Ungläubige“ sind. In Ägypten fordert der Vorsitzende der von den ägyptischen Muslimbrüdern gegründeten „Partei für Freiheit und Gerechtigkeit“, Essam al Arian, ein international geltendes Gesetz, dass die Schmähung der Religion verbietet. Das ist besonders pikant, weil auch in Ägypten eine gnadenlose Verfolgung von Christen durch Moslems inklusive der Schmähung ihrer Religion stattfindet. Gibt man die Suchbegriffe „Blasphemie“ und „Verbot“ in die Google-Suchmaschine ein, findet man eine große Menge Quellen, die Forderungen deutscher christlicher Funktionäre nach einem Blasphemieverbot zeigen.

Dieser Hintergrund ist es, der Beschneidungsgegner und Beschneidungsbefürworter so aneinandergeraten ließ.

Die Beschneidung wird nach unserer Einschätzung unter Bedingungen erlaubt werden. Zu hoffen ist aber, dass die Diskussion die Stärkung der Demokratie und nicht ihre Schwächung fördert. Die Religiösen müssen erkennen, dass sie ein Teil der Gesellschaft sind und nicht der bestimmende Teil.

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