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Netiquette und der Tagesspiegel

Aus dem Tagesspiegel vom 8.12.2000

New-Economy-Lexikon: Netiquette

Wer fremdes Terrain betritt, tut gut daran, sich vorher über den dort geltenden Verhaltenskodex zu informieren. Dies gilt auch für den Cyberspace, die Welt des Internets. Auch hier gibt es Benimmregeln: die Netiquette, ein Kunstwort aus Netzwerk und Etiquette. Im Wesentlichen gilt natürlich auch hier: Was außerhalb des Netzes verboten ist, ist auch im Cyberspace nicht erlaubt. So lautet etwa das erste Gebot der Computerethik: Du sollst nicht Deinen Computer nutzen, um anderen Schaden zuzufügen.

Aus dem Tagesspiegel vom 12.5.2011

Umgangston im Internet – Wie das Netz sich selbst zivilisiert

„Kann es also doch nichts werden mit der Netz-Zivilisierung? Aber doch! Dazu bedarf es allerdings einiger Tatkraft. Was fehlt, sind Räume, in denen klar erkennbar wird, wo ich mich gerade bewege. Im Theaterfoyer rede ich anders als in der Fußballkneipe, selbst wenn ich keinen der Menschen kenne, die ich dort treffe. Solche Unterschiede kann man auch im Netz definieren. Man muss allerdings den Mut aufbringen, beherzt Position zu beziehen.
….
Netz und Alltagswelt fließen immer stärker ineinander. Das hilft dem Zivilisierungsprozess. Denn wenn ich den Menschen, mit denen ich im Netz kommuniziere, auch in der Familie, in der Schule oder im Alpenverein begegne, nehme ich Umgangsformen von dort mit und übertrage sie ins Netz.“

Aus den Richtlinien des Tagesspiegel

  • Kampagnen und Stigmatisierungen aufgrund von
    Abstammung, Weltanschauung, religiöser Zugehörigkeit,
    Nationalität, Geschlecht, sexueller Orientierung sowie sozialem
    Status sind nicht zulässig. Kommentare, die auf eine pauschale
    oder persönliche Herabwürdigung abzielen, werden nicht
    veröffentlicht.
  • Sie verpflichten sich, keine obszönen, pietätlosen,
    menschenverachtenden oder gewaltverherrlichenden Inhalte zu
    verfassen.
  • Verleumdungen und andere justitiable Äußerungen wie auch
    offensichtlicher Geschichtsrevisionismus werden nicht
    veröffentlicht.
  • Kommentare, die lediglich darauf abzielen, provokativ den
    sachlichen Austausch von Argumenten innerhalb einer Debatte
    zu stören (Trolle!), schalten wir nicht frei.

________________________________________________________________

Die geneigten Leser mögen an den Beispielen in der Kategorie „Der Tagesspiegel moderiert den Diskurs“ den Beitrag  der Communityredaktion des Tagesspiegel am „Zivilisierungsprozess“ und in der Anwendung der eigenen Richtlinien überprüfen. Sie werden überrascht sein. Eine kompakte Darstellung des Zivilisierungsprozesses finden sie im Artikel Sarrazin – Welche Formulierungen und Wörter die Communityredaktion freischaltet.

Wer das Vergnügen durch Konsum der Leserzuschriften erhöhen will, sollte auf die fünf User besonders achten, die immer wieder unter den verschiedenen Kategorien auftauchen und wohl die Rolle der Forumstrolle übernommen haben. Da ist z.B. der User

dali,

der gerne als allwissender Intellektueller auftritt und Intellektualität mit Pöbeleien verwechselt (Tagesspiegel vom 26.7.2012):

als gelernter Germanist, Theologe und Philosoph, kann ich natürlich nicht mit denen konkurrieren, deren Kenntnis des Islam auf gelegentlichem Döner-Genuss, die des Judentums auf regelmäßige Beusche des Israel-Standes bei der Grünen Woche und die Philosophie auf dem intensiven Studium von Glückskeksen beruht.

Seine Geisteskraft zieht er im Tagesspiegel am 10.7.2012 um 00.20 Uhr aus der Gnade der aktuellen Anwesenheit von Gollwitzer u.a., … ihres Zeichens Götter der Zunft, die ihm die Selbstgewissheiten gegeben haben, um sich von GOOGLE aufgepumpten Tieffliegern abzugrenzen. Leider zensierte die bisweilen sonst so wenig sensible Communityredaktion im Falle dali, wenn auch erst auf mehrfachen Hinweis, seine schönsten Blüten (Tagesspiegel vom 19.4.2012: „Kristina Schröder Eine Frau im politischen Abseits“ )

Zum
.

dali, der soviel Selbstgewissheit erworben hat, dass er angeblichen Gegnern des Feminismus so schöne Sätze wie

und wer hysterisch auf ´Feministinnen´ reagiert, sollte mal überprüfen, ob er damals bei denen keinen Stich bekommen hat und sein Selbstbewusstsein darunter gelitten hat…

entgegenschleudern und über Familienministerin Schröder wortgewaltig sagen kann:

Diese Frau hat eine IQ, der zwischen Dachlatte und Mohair-Pullover schwankt und da ist es schon sehr nützlich, dass alles was sie anfasst, automatisch sich in Staub verwandelt.

Armer Gollwitzer, wenn der wüßte, wie sich damals seine Anwesenheit auf dali auswirkte.

Dann ist da ist auch der User

mogberlin,

kein Geistestitan wie dali, aber ein toleranter und ruhiger Mensch, der sich wie dali hemmungslos zum Narren macht und sich deshalb mit ihm auch gut versteht. Wegen seiner politisch-korrekten „Argumentation“ ist er wie dali ein von der Communityredaktion, Abteilung „Wahrheit, Islam und Antirassismus“, gern gesehener Kommentator. Sein mit typisch moggyistischem Humor verfasster Kommentar im Forum des Tagesspiegels vom 10.9.2012 hat sicher Lachstürme hervorgerufen. Schade, dass man sie nicht hören konnte:

@dali

Inhaltlich hast Du recht, lieber dali, einschränkend möchte ich nur anmerken: Wenn ich mich mal tatsächlich „aufregen“ sollte (was bisher noch nie wirklich vorkam), wäre das ein Fall für´s SEK 😉

moggy

Im Zensurenspiegel  wird er als Forums-Blockwart bezeichnet. mogberlin weiß nicht nur im Tagesspiegel vom 16.5.2012 was richtig und was falsch ist. Wenn nach den gewalttätigen Attacken von Salafisten ein Hassvideo auftaucht, in dem es heißt, dass die

Demokratie der Ungläubigen bekämpft

werden soll, und

Deutschland sei gewarnt worden, habe die Warnungen aber ignoriert.

dann weiss mog, oder, wie er sich selbst gerne nennt, moggy, dass dies ein Einzelfall ist und mit den Salafisten nichts zu tun hat. Und wenn im Tagesspiegel berichtet wird, dass die europäische Rabbinerkonferenz auf das Kölner Urteil zum Beschneidungsverbot den Holocaust instrumentalisierend sagt, dass das Verbot

als schwerster Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust betrachtet

wird, dann lässt mogberlin am 12.7.2012 um 14:52 Uhr im Forum ganz schlau verlauten:

Genaugenommen ist es kein Vergleich. Sondern die Aussage, es habe seit dem Holocaust,welcher in seinem Grauen allein steht, keine Einschränkung jüdischen Lebens inDeutschland gegeben, die als schwerwiegender anzusehen ist als das Kölner Urteil. Es istalso – sprachlich gesehen – eine zeitliche Einordnung.

mogberlin, der sonst nur auf der Seite der toten Juden steht und in anderen Foren zu den aufrechten „Israelkritikern“ zählt, ist diesmal auf der Seite von lebenden Juden. So kann`s gehen.

Ein weiterer ist der User 2010ff, der seine Intellektualität und gute Bildung gelegentlich unterstreicht, wenn er einen Beitrag  im Tagesspiegel (16.5.2012 um 20:21 Uhr) mit den Worten

Wie sagte mein Dozent: …

einleitet.

Wie mogberlin, legt auch der User

2010ff

auf logische und konsistente Argumentation wert und vergewaltigt beides so, dass es ein Vergnügen ist, seine Beiträge zu lesen. Wenn es um Salafisten geht, sagt er in einem Beitrag zum Tagesspiegelartikel „Ein Salafist auf großer Bühne“ um 21:13 Uhr:

Ich habe hinreichend klar ausgedrückt, dass mich nicht im geringsten interessiert, was ein Hardcore-Ideologe sagt.

Wenn es um die NPD, insbesondere um deren Ex-Chef geht, dann ist es aus mit seiner Zurückhaltung und es sprudelt aus ihm heraus (Auszug):

  • Sicherheitsverwahrung gegen Demokratiehasser
  • Nazis sind wie der notorische Kinderschänder, der, kaum aus dem Gefängnis entlassen, wieder versucht, sich zu vergehen. Deshalb müssen sie teilweise in die Sicherheitsverwahrung.

Bei der NPD  verfällt er in Schnappatmung, bei den Salafisten ist er ruhig und sehr überlegt.

southcross, des Tagesspiegels klügster Dummkopf

Fast zu schlechter Letzt stellen wir noch den User southcross vor, vermutlich ein Hobbyjurist und eifriger Zuschauer der Gerichtssendungen im Krawallsender RTL. Die dort dargestellten unverdaulichen „juristischen“ Auseinandersetzungen verwurstet er zu eigenen juristischen Erkenntnissen. Die bringt er in den Foren des Tagesspiegels so an, dass den Denkenden unter den Kommentatoren die Haare zu Berge stehen. Auch er leitet ähnlich wie 2010ff einen Beitrag gern mit

Neulich, als ich zur Uni ging …

ein und lässt dabei offen, ob er dort hingeht, um sich der Juristerei hinzugeben oder einem der vielen Aufstockerjobs, die es auch dort gibt. Dass seine juristischen Einschätzungen, die nur der Verwirrung der Mitdiskutanten dienen, meistens danebenliegen, stört ihn nicht, lässt aber jede Diskussion erfolgreich so zerfasern, dass am Ende niemand mehr weiss, wo ihm der Kopf steht.

Nicht zuletzt treibt noch der User

klaus_weiss

im Forum sein Unwesen. Dieser User ergreift jede mögliche und unmögliche Gelegenheit, um seiner „Israelkritik“ zu frönen. Er greift gerne auf antisemitische Quellen wie die Zeitschrift SEMIT zurück, die aus seiner Sicht nicht antisemitsch sein kann, weil sie SEMIT und nicht ANTISEMIT heisst. Im Verlag, in dem dieses Periodikum erscheint, gibt es einen Autor, der schreibt, dass der Holocaust nur eine „Laune der Geschichte“ sei, und dass die „früheste Ursache für den Antisemitismus im Judentum selbst“ liege. Verleger und seinen Autor darf man „Kapazitäten für angewandte Judäophobie“ nennen und erklären, sie hätten „den Adolf gemacht“, so der Tagesspiegel in seiner Ausgabe vom 09.11.2007. Der Klaus, der immer alles weiß, zitiert auch gerne aus anderen Quellen, meist sehr lang und vorzugweise, seine hohe Bildung unterstreichend, in englischer Sprache. Das macht er dann gelegentlich noch so, dass er sie aus dem Zusammenhang reißt, damit sie keinesfalls seinen Intentionen widersprechen. Wenn ihn die knappe Zeit drückt, ignoriert er gleich den Gegenstand einer Diskussion und schwurbelt an der Sache vorbei. Hauptsache er kann Israel „kritisieren“.

Und wenn er nicht zitiert, dann weist er gern auf  die schreckliche westliche Gesellschaft hin. Wird über die Frauen und das barbarische Bestrafungssystem der Scharia in arabischen Ländern diskutiert, dann fällt ihm sofort ein, dass es in der Bundesrepublik Deutschland noch immer keinen gleichen Lohn für Frauen und Männer gebe.

Ach ja, und dann gibt es noch User wie Webwatcher, die mit masochistischer Freude die negativen *)  Bewertungen und spöttischen Bemerkungen auf ihre ausdrucksstarken Beiträge genießen und nicht aufhören können, weitere zu schreiben. Sie alle sorgen dafür, dass sich der Ton in den Foren verschärft und – politisch inkorrekte – Diskussionen erfolgreich verhindert werden.

________________

*) Die negativen Bewertungen gibt es nun seit einiger Zeit nicht mehr, dem Befreiungsschlag durch eine Softwareumstellung durch Atila Altun sei Dank. Seitdem sich alle Kommentatoren  lieb haben müssen, weil negative Bewertungen nicht mehr möglich sind, erhalten sie für ihre Pöbeleien nur noch wenige positive. Hoffen wir, dass ihr Selbstbewusstsein dadurch keinen Schaden nehme.

6 Kommentare
  1. B78 permalink

    Kaum ärgert man die Redaktion ein wenig, wird man schon gesperrt. 😂

    Ich würde gerne eine Email und ein paar Screenshots weiterschicken, aber mir die roque… Emailadresse abhanden gekommen.

    B78

  2. infoWar permalink

    Und jetzt ist sogar Frau Huntziger geschützt bzw. ZDF-Kritik verboten. Ja, etwas 0815-kritisieren darf man – aber schon bei

    „Es fehlen einem die Worte, auf welchem Niveau sich das ZDF bewegt. .. Sie ist die Meisterin des Flachwitzes und ein Genie der Hohlphrasen – und deshalb so beliebt? Das ist Berlusconi-TV.
    Ich bin für die Verbannung. Soll sie doch bei Kim Yong Un ihr Ständchen singen. Das könnte das Regime kippen.“

    hört es auf.

    –> Zensur <–

    Und damit gewinnt der Tagesspiegel einen echten Minuspunkt. Merke: alle großen freien Angebote haben Lenkungscharakter. Und der Tagesspiegel macht da keine Ausnahme. Schade eigentlich.

  3. Viel-Flieger permalink

    Bei aller Kritik am Tagesspiegel gibt es auch einmal eine positive Nachricht. Redakteur Gerd Nowakowsky hat in bisher nicht gesehener Eindeutigkeit die Anschläge von linksextremen Gruppen in der Stadt verurteilt.

    http://www.tagesspiegel.de/meinung/schwabenhatz-und-berliner-liste-fremdenfeindlichkeit-unter-dem-deckmantel-der-kiezverteidigung/8527446.html

    Nowakowsky spricht von „angekündigtem Terror, aber auch von von einer „Atmosphäre, in der ein solcher Gewaltaufruf Resonanz, und auch Verständnis, finden kann“.

    Ich glaube, dieser Hinweis lässt sich auch auf die Teile der Tagesspiegel-Online Redaktion übertragen, die seit Jahren die Verbreitung linker Agitation in der Stadt offen toleriert, und ihr regelrecht eine politische Plattform bietet.

    Eine tragende Rolle scheint dabei die Forums-Leitung des Berliner Tagesspiegels zu spielen, die offenbar eng mit der von Nowakowsky kritisierten Sympathisanten-Szene verknüpft ist. Die Admins lassen eine systematisch organisierte Repräsentanz von linken Kreisen im Forum nicht nur zu, sondern dulden auch, dass fragwürdige Inhalte aus dubiosen und zum Teil illegalen Quellen in das Forum direkt übertragen, und somit zur weiteren Verwendung „reingewaschen“ werden können.

    Ich will deshalb mal hoffen, dass man im Verlag sowie in der Redaktion dem dubiosen Treiben von einigen Redakturen und Admins entschiedener entgegentritt. Wer von anderen Durchgreifen verlangt, sollte im eigenen Laden damit anfangen. Es darf beim Tagesspiegel-Verlag keine Toleranz für Mitarbeiter geben, die den von Nowakowsky beschreibenen Abgrenzungsprozess geplant unterlaufen.

  4. Anonymous permalink

    Tja, der Tagesspiegel und seine Foren. Was man von ihnen halten soll?
    >>> siehe eine Glosse ausgestrahlt am 28.3.2013, vormittags, Inforadio / RBB
    Der Text ist hier zu finden …
    Renée Zucker über eine nicht ganz gelungene interkulturelle Begegnung.
    Link: http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/hundert_sekunden_leben/201303/187059.html

    • infoWar permalink

      Right now (20140205): nothing found. Und auch sonst brachte die Suche beim RBB diesen Beitrag nicht mehr. Gesäubert, verloren, aus Versehen?
      Schade eigentlich, hätte ich mir gerne angehört.

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