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Über Merkel und „diejenigen, die schon länger hier leben“

by - November 22, 2016

Wie ich der gewohnt amüsanten Talkschaukritik meines einstigen Focus-Mitpassagiers Stephan Paetow entnehme, hat Frau Merkel bei Anne Will gesagt, sie sehe eine ihrer künftigen politischen Aufgaben darin, „das, was wir Zusammenhalt nennen, hinzubekommen, auch mit denen, die schon länger hier leben“. Man mag lange darüber grübeln, ob der bizarren Semantik unserer Platitüden-Automatin aus dem Kanzleramt nun ein tatsächlicher Defekt zugrunde liegt oder die kühle Intention einer Diskurszerstörung a priori, denn wenn jemand angesichts der existentiellen Probleme dieses Landes so infantil zu dir redet wie Merkel, kannst du sie im Grunde bloß für unzurechnungsfähig erklären, und dann kommt die Maasi und sperrt dich einstweilen nur auf Facebook, aber bald auf allen Kanälen. Halten wir indes fest: Merkel bezeichnet die Deutschen in ihrem eigenen Land als „diejenigen, die schon länger hier leben“, ein zwar noch recht großes, aber anscheinend speziell zu behandelndes Detachement der „Menschen da draußen im Land“, wie sie all jene nennt, die sich in den faktisch nicht vorhandenen Grenzen des von ihr gewissermaßen regierten Territoriums gerade aufhalten.

Und:

„Die Bundesrepublik Deutschland ist heute der Staat mit dem geringsten privaten Haushaltsvermögen aller Euro-Länder, mit der höchsten Abgabenquote weltweit, einem der geringsten Rentenansprüche EU-weit, dafür aber der größte Nettozahler in der EU und derzeit Schauplatz einer gezielt herbeigeführten Masseneinwanderung in die Sozialsysteme. Ich schreibe es ganz offen: Wer sich jetzt nicht wehrt, und sei es auch nur durch sein Kreuzchen in der Wahlkabine, ist für mich nicht zurechnungsfähig und hat sich das, was ihm und den Seinen als Folge der gegenwärtigen Politik früher oder später widerfahren wird, redlich verdient.“

Vollständiger Artikel auf Michael Klonovskys Acta diurna (22.11.2016)

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One Comment
  1. almansour permalink

    „die schon länger hier leben“.

    In der Weise also, wie die Kanzlerin ihre Wahrnehmung des Konflikts artikuliert, blendet sie den kulturellen Aspekt komplett aus. In Europa lebt man nämlich nicht einfach mal so längere Zeit als Individuum an einem Fleck, sondern in einer Kulturgeschichte europäischer Völker, in einer gemeinsamen und in den Ländern differenzierten Kulturgeschichte.

    Für Figuren, die ein Land jedoch lediglich als Herrschaftsbereich und die Bürger als Untertanen begreifen, ist diese Kulturgeschichte nicht fassbar.

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