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Wer war´s? Diesmal nicht aus dem Tagesspiegel

by - September 8, 2016

Im Tagesspiegel haben wir nichts darüber gefunden. Dafür auf Die Welt vom 7.9.2016:

Zehn Jahre Gefängnis für tödliche Schüsse in Supermarkt

Im Osnabrücker Prozess um tödliche Schüsse in einem türkischen Supermarkt ist ein 40-Jähriger zu einer Gefängnisstrafe von zehn Jahren verurteilt worden. Das Urteil am Landgericht Osnabrück erging wegen Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes.

Notwehr machte der Täter laut Die Welt geltend, weil sein Opfer ihn in der Vergangenheit bedroht habe. Das Motiv bleibt im Dunkeln. Gelegentlich kann es hilfreich sein, das Portal einer Regionalzeitung aufzusuchen, damit das Dunkle heller werde. Wir haben das Portal der Neue Osnabrücker Zeitung aufgesucht und fanden  einen Artikel vom 7.9.2016 mit derselben Überschrift wie auf dem Portal von Die Welt.

Wir fanden einen längeren Artikel, in dem über eine nicht nachgewiesene Angststörung des Täters berichtet wird. Auch darüber, warum das Urteil so und nicht anders ausgefallen ist. Zehn Jahre also für ein Tötungsdelikt, von dem wir das Motiv immer noch nicht kennen. Einen Hinweis erkennen wir im Tatort, einem türkischen Supermarkt. „Aufklärung“ bringt dann ein Kommentar von Dietmar Kröger, Redakteur für Lokales in Osnabrück, geschrieben in der verschwurbelten Sprache der PC. Er nennt den Prozess einen lehrreichen. Warum? Darum:

Die Schwester des Opfers hat als Nebenklägerin und Zeugin den Prozessbeteiligten und -beobachtern deutlich vor Augen geführt, dass Integrationsprozesse offensichtlich in Teilen der kurdischen Gesellschaft Grenzen haben. Kurdisches Gesellschaftsrecht und deutsche Justiz sind nicht kompatibel. Unterstrichen wurde dies auch durch die Aussageverweigerung eines hochrangigen Mitglieds der kurdischen Gesellschaft in Deutschland, der in dem Familienstreit vermittelt hatte.

Und:

Aber: Der Prozess hat auch Nachdenklichkeit gelehrt – darüber, dass es Familienstreitigkeiten mit tödlichem Ausgang auch in anderen – inklusive dem deutschen – Kulturkreis gibt und dass sich hier bitte niemand auf das hohe Ross der Selbstgerechtigkeit schwingen sollte. Vor allem aber lehrt der Prozess eben durch seine Einzigartigkeit, dass die Mehrheit der Kurden gewillt und bemüht ist, sich zu integrieren. Das sollte niemand vergessen.

Einzigartig? Der Redakteur für Lokales in Osnabrück scheint die Serien von Einzelfall-Ehrenmorden nicht zu kennen. Lehrreich ist nicht das Auftreten des Scharia-Richters, den er ein hochrangiges Mitglied der kurdischen Gesellschaft in Deutschland, der in dem Familienstreit vermittelt hatte, nennt. Lehrreich ist etwas, was seiner Meinung nach Nachdenklichkeit erzeugt hat: … dass es Familienstreitigkeiten mit tödlichem Ausgang auch in anderen – inklusive dem deutschen – Kulturkreis gibt.

Na denn. Uns ist bisher nicht bekannt geworden, dass ungläubige junge Frauen aus Gründen der Ehre von ihren ungläubigen Partnern auf Beschluss des Familienrats ermordet wurden. Ein Fall wie der der Kurdin Hatun Sürücü ist uns aus ungläubigen Kreisen nicht bekannt. Hatun Sürücü wurde auf Beschluss des Familienrats von ihren Brüdern ermordet, weil sie wie eine Deutsche lebte. Fälle von ungläubigen Frauen, die ermordet wurden, weil sie wie eine Kurdin, eine Amerikanerin, eine Vietnamesin  oder sonst wie lebten, sind uns nicht bekannt.

In einem Land, in dem ein Innenminister die Burka, ein besonders übles Symbol der gläubigen Frauenunterdrückung, mit einem Karnevalskostüm gleichsetzt, gilt eben als Nachdenklichkeit, was der Redakteur für Lokales in Osnabrück für Nachdenklichkeit hält. In so einem Land verfasst ein Redakteur für Lokales in Osnabrück einen Artikel mit zwei Absätzen, dessen zweiter Absatz relativierend aufhebt, was im ersten Absatz steht.

 

 

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From → Wer war´s

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