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Medienwissenschaftler: Ein Oxymoron wird zum Kurzwitz

by - Mai 15, 2016

Frohe Pfingstbotschaft: Journalismus immer besser!

Dass sich „immer mehr Menschen“ der DKP zuwenden würden, gehörte in den 1970ern zu den rührenden Mantras der von Ostberlin ausgehaltenen Zwergpartei. Allerdings vermochte selbige nie schlüssig zu erklären, weshalb ihre ungeheure Popularität sich nicht so recht in den Wahlergebnissen abbildete. Jetzt hat ein Prof. Dr. phil. Michael Haller, Leiter der „Journalismusforschung an der Hamburg Media School“, anlässlich der Verleihung von nach Henri Nannen benannten Journalistenpreisen den Versuch unternommen, einem ähnlichen Mysterium auf die Schliche zu kommen.  

„Journalismus wird immer besser – seine Reputation immer geringer“, schreibt der Forscher in der Publikation „Nannen Preis 2016“. Aber warum nur, warum? Haller erklärt das Paradox unter anderem so: Trotz spitzenmäßiger Journalismusleistungen werde noch immer nicht genug „gegen den Strich“ gebürstet oder „Selbstverständliches infrage gestellt.“

Insgesamt zeigt der Essay des Medienwissenschaftlers auf: „Medienwissenschaftler“ ist ein Oxymoron, wie der Begriff „Flüssiggas“. Das Wort verdient einen Preis. In der Kategorie Kurzwitz.

Weiter mit Wolfgang Röhl auf Die Achse des Guten

Man muss schon ins Ausland gehen, um eine Zeitung zu finden, die über deutschen Qualitätsjournalismus berichtet. Unsere Leser Susi Sorglos und Burgunder haben in der Schweiz die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) vom 14.5.2016 gefunden, die auch den Lügel angemessen würdigt. Der von uns immer wieder gern zitierte Dank des Tagesspiegels an die Gewalttäter der Antifa (Danke, liebe Antifa!) ist auch in der Schweiz aufgefallen.

Hetzer, Idioten und Dumpfbacken

Kommunikative Rüpelei hat auch in den traditionellen Medien Platz gefunden. Dem Wutbürger tritt im Internet der Wutjournalist gegenüber.

Die Intensität der öffentlichen Debatte mit ihrer Zuspitzung aufs Internet und auf alle dem Rechtspopulismus zugeschriebenen Übel können übersehen lassen, dass kommunikative Rüpelei längst auch ihren Platz in den traditionellen Medien gefunden hat. Dem Wutbürger im Internet tritt in manchen Leitmedien ein Wutjournalismus gegenüber, der Schimpfen, Weghören und Kommunikationsverweigerung zu Tugenden erklärt. Eine rhetorische Hau-drauf-Mentalität gegen den Feind von rechts gilt nicht nur in Kreisen von habituellen Krawall-Kolumnisten, wie sie der «Spiegel» beschäftigt, als Gebot der Stunde. So überraschte der Berliner «Tagesspiegel» seine Leser mit einem Beitrag, in dem er den Prügelmeuten der sogenannten Antifa ausdrücklich dankte, weil sie mit ihren Gewaltaktionen den politischen Gruppen, die sie zu Nazis erklären, die Wahrnehmung von Rede- und Demonstrationsfreiheit nach Kräften unmöglich machen.

Im Folgenden zitieren wir aus dem in der NZZ verlinkten Artikel Der Wutbürger und der Wutjournalist. Der Tagesspiegel kann hier nicht gemeint sein. Seine Aktivisten kämpfen meist nicht mit dem Florett, wie unsere frühesten Vorfahren bevorzugen sie die Keule.

Während der Wutbürger bloss seine Stimme auf der Strasse oder auf einem sozialen Netzwerk einsetzen kann, verfügt der Wutjournalist über das Organ eines Massenmediums, das ungleich wuchtiger die öffentliche Meinung zu bearbeiten vermag. Ein Journalist ist wohl eingebunden in redaktionelle Wertesysteme und berufsethische Normen, doch deren virtuose Handhabung schärft umso mehr die Klingen im Kampf um die Deutungshoheit. Mit der perfiden Bildauswahl, welche den nicht genehmen Protagonisten ins ungünstige Licht rückt, mit dem polemischen Titel, den gezielten Auslassungen im Text und den feinen Seitenhieben erzielt der Wutjournalist eine Wirkung, die bedeutend mehr zu verletzen vermag als ein derber verbaler Ausrutscher eines einfachen Wutbürgers. Aus Sicht der Küchenpsychologie erblickt der Wutjournalist im Wutbürger also bloss sein alter Ego. Das will er lieber nicht wahrnehmen.

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One Comment
  1. Burgunder permalink

    Als Ergänzung empfiehlt sich noch Norbert Bolz, ebenfalls Medienwissenschaftler:

    http://www.die-tagespost.de/feuilleton/Das-war-Hass-Propaganda;art310,169397

    „Momentan sehe ich aber, dass die Medien in die Knie gehen, schlicht vor der großen Zahl der Wähler. Wenn es um 15 Prozent oder in manchen Bundesländern sogar 20 Prozent geht, dann kann man nicht mehr so ohne weiteres sagen, dass diese Leute alle Faschisten seien. Das könnte dazu führen, dass sich der Ton etwas mäßigt. Im Moment ist er aber immer noch extrem scharf.“

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