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Flüchtlingskonsum

by - Dezember 27, 2015

Von Hebold

Nein, hier ist einmal nicht der volkswirtschaftliche Konsum gemeint, der durch sogenannte Flüchtlinge angeregt wird – nein, hier der Konsum von Flüchtlingen durch die Hilfsbereiten gemeint. Und an dem könnte man ebenso gut die Konsumgesellschaft kritisieren, wie das der Papst zu Weihnachten tut, wenn er uns vorwirft, dem Weltlichen verfallen zu sein. Nur tun das die Kirchoberen nicht. Sie loben die Helfer. So etwa der hamburger Erzbischof in einem Gespräch in der FAZ.

Das Gespräch ist in sofern bemerkenswert, als es den Charakter der Helfenden in schönster Deutlichkeit zeigt. Das beginnt schon mit dem ersten Satz des Bischofs, nachdem er gefragt wird, wie er Merkels »Wir schaffen das« empfunden habe:

Ich habe mit spontaner Zustimmung auf die Worte der Bundeskanzlerin reagiert. Wenn es jemand schaffen kann oder auch nur einen ganz wichtigen Beitrag leisten kann, dann ist es ein so starkes Land wie Deutschland.

Den letzten Satz muss man zweimal lesen: Wenn, dann schafft es ein »so starkes Land wie Deutschland«. Diese Worte atmen den Geist von Kaiser und Führer. Und würde ein Politiker im Bundestag von einem starken Deutschland schwärmen – er würde in die rechts-populistische Ecke versetzt. Nicht so der Bischof. Nicht so die Helfer. Sie alle singen: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt. Nur das dieses Deutschland nicht mehr an der Etsch, sondern am Litani endet. Aber egal, es wird ja geholfen. Da kommt der Bischof aus dem Schwärmen nicht mehr heraus:

FAZ: Wie begegnen die Katholiken nach Ihrem Eindruck den Flüchtlingen?

Ich will von meinen persönlichen Erfahrungen sprechen: Ein Großteil der Katholiken in Norddeutschland und speziell im Erzbistum Hamburg sind selbst entweder Heimatvertriebene oder Einwanderer aus anderen, meist europäischen Ländern oder stammen von Vorfahren ab, die vom Land in die Großstadt gezogen sind, um hier Arbeit zu finden. Diese kollektive Erfahrung ist bis heute sehr präsent und prägt die Stimmung angesichts des Zustroms der Flüchtlinge.

FAZ: Sie äußert sich worin?

In sehr praktisch gelebter Nächstenliebe, in einer hohen Bereitwilligkeit, sich persönlich einzubringen, Wohnraum bereitzustellen, zu spenden – oft aus dem Gefühl der Dankbarkeit heraus, selbst eine neue Heimat gefunden zu haben.

Hier ist einer offenbar trunken vom Messwein oder vom vielen Helfen. Denn dass die Katholiken in Norddeutschland sich an ihre Flucht vor den Russen im Jahre 1944/45 erinnern, ist ein frommer Witz, wenn man bedenkt, dass diese 70 Jahre zurückliegt und selbst bei einem Mindestalter von 10 Jahren erinnern sich allenfalls die über Achtzigjährigen. Nicht gerade eine repräsentative Gruppe.

Aber egal, denn der Bischof weiß: Die Mehrheit rechnet eh nicht nach, wie lange es her ist, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende war bzw. hat den Eindruck, Hitler war nicht vor weit über einem halben Jahrhundert, sondern kurz vor Merkel Kanzler, so aufgeregt, wie Politiker auf die Zeit des Nationalsozialismus heute noch reagieren. Dass die Katholiken in Norddeutschland gerade mal 6% der Bevölkerung stellen, sei nur noch am Rande erwähnt. Ja, Zahlen sind nicht das Ding der Gläubigen.

Dafür aber der Glaube und die gute Tat in Form von Nächstenliebe. Auf die Frage der FAZ:

FAZ: Ist diese Sensibilität in den Gemeinden eine altersübergreifende oder eher charakteristisch für die Generation, die selbst Flucht oder Vertreibung erlebt hat?

(Offenbar hat auch der Interviewer den Messwein genossen, oder die Flüchtlinge wurde allesamt in Seniorenheimen untergebracht.) Auf diese Frage antwortet der Bischof:

Das Alter spielt keine Rolle. Bei einem Besuch der Katholischen Hochschulgemeinde in Hamburg stellte sich vor kurzem heraus, dass weit mehr als zwei Drittel der jungen Leute in der Flüchtlingsarbeit auf die eine oder andere Weise tätig sind. In Rendsburg engagiert sich ein Pfadfinderstamm in einer Erstaufnahmeeinrichtung und spielt mit den Flüchtlingskindern. In der Übernachtungseinrichtung hier am Hamburger Mariendom möchten mehr Freiwillige arbeiten als derzeit gebraucht werden.

Ja, hier öffnet sich das Herz jener, die laut päpstlicher Weihnachtsbotschaft sonst nur konsumieren. Sie brauchen den Flüchtling, am besten noch mehr. Das weiß auch der Bischof, doch er versteht es, die Sache im guten Licht erscheinen zu lassen. Tatsächlich aber kommen die wahren Motive an den Tag, als die FAZ fragt, wie lange die Hilfsbereitschaft wohl noch anhalten werde?

Ich glaube, noch sehr lange. Die Leute merken, wofür sie Christen sind – ein Gefühl, das sie vielleicht lange vermisst haben. Es tut ihnen einfach gut zu wissen, wofür sie da sind, dass sie gebraucht werden.

Dafür sind die Flüchtlinge da – dass der deutsche Gutmensch endlich das Gefühl hat, er würde gebraucht. Wenn das kein schnöder Egoismus ist, dann weiß ich nicht, was Egoismus ist. Die Helfer bauen sich am Leid der Flüchtenden auf. Wie die Schmeißfliegen ziehen sie hinter ihnen her, brauchen sie, wie die Werbeindustrie die Hilfsindustrie, der sie geschätzte 30% aller Aufträge verdankt. Langsam wird, warum die Entwicklungshilfe von denen unterstützt wird, die helfen wollen – bekanntlich bringt die den Empfänger nur schlimmes.

Aber die Helfer wissen den Papst hinter sich – da kann nichts mehr schief gehen:

Bei dem Besuch der deutschen Bischöfe im Vatikan Mitte November hat Papst Franziskus uns nochmals eingeschärft, dass der Glaube mehrere Dimensionen hat: Er beansprucht den Verstand, er ergreift das Herz, und dann geht er in die Hand.

Letzteres werden die Opfer katholischer Kinderschänder sicherlich bestätigen. Aber Mohammad hat sich ja gleichfalls an Kindern vergriffen – beim Alter ist man sich mit den Flüchtlingen einig, nur beim Geschlecht besteht noch Gesprächsbedarf. Aber diese Gespräche haben wohl schon begonnen:

FAZ: Was bedeutet der Umstand, dass die Mehrzahl der Flüchtlinge aus muslimisch geprägten Ländern kommen, für die Integration?

Sicher tun sich christliche Flüchtlinge in Deutschland in vielem leichter. Aber wir können nicht nur die verfolgten Christen aufnehmen. Hier geht es um Menschenrechte. Und manchmal bringt einem das Fremde das Eigene ein bisschen näher. Das alles muss auch in einen Dialog zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften münden, Christen sind da genauso gefragt wie Muslime und Juden.

Dass sich Juden auf der Flucht befinden, ist mir neu. Und wahrscheinlich ist dem Bischof ebenfalls neu, dass in Syrien vor allem Christen vertrieben werden. Aber egal, ein flotter Satz wie »Manchmal bringt einem das Fremde das Eigene ein bisschen näher«, kleistert das Vergessen muslimischer Verbrechen mit Scheintiefsinn zu.

Doch dann wird es ernst:

FAZ: Joseph Ratzinger hat in einer seiner letzten Reden als Kardinal Europa sinngemäß die Diagnose gestellt, der Kontinent habe seine christlichen Wurzeln gekappt, sei von innen her leer und schaffe sich demographisch selbst ab. Hat er recht?

Die Frage ist fies, denn üblicherweise werden Hinweise auf die Selbstabschaffung Europas mit einem Hinweis auf Rechtspopulismus und Faschismus gekontert. Der letzte Papst hört sich aber an, als hätte er PEGIDA kopiert – oder die bei ihm. Nun eiert der Buschof herum:

Wir haben in Deutschland zu lange der Illusion angehangen, dass sich kulturelle oder religiöse Werte und Haltungen gleichsam von selbst tradieren. Das war das Zeitalter der Volkskirchen. Jetzt aber geht es eher darum auszuloten, wie Christen „Salz der Erde“ sein können oder Sauerteig, um zwei Bilder aus dem Evangelium zu gebrauchen. Ich erlebe hier in Hamburg ein sehr säkulares Umfeld. Gleichzeitig gibt es einen hohen Respekt für die katholische Kirche und nicht geringe Erwartungen an sie. Man kann sehr wohl christliche Werte und Überzeugungen vermitteln, aber man muss sich dem Gespräch öffnen.

An dieser Stelle gebe ich dem Bischof gerne Recht: Bibel und Christentum gehören zur Kultur auch und gerade säkularer Geister dieses Landes. Und eben nicht die primitive Herrschaftsideologie eines Mohammad und seiner einfältigen Sprüche aus dem Koran.

Aber die Helfer der Hilfsindustrie wird das nicht kümmern. Sie konsumieren zuerst die Flüchtlinge und dann den Koran. In einer Art Kulturkonsum saugen sie sich voll mit den lustigen Sitten und farbigen Bräuchen in den Machtgebieten von Azteken bis Tamerlan. »Es ist alles so schön bunt hier«, singt Nina Hagen in »TV« und der Helfer ist erst wirklich glücklich, wenn er den Gipfel der Perversion des Konsums erklommen hat: Den Konsum der Flüchtenden.

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One Comment
  1. rumpel@gmail.com permalink

    nein, nein und nochmals nein. wir behandeln flüchtlinge und andere nichht mit zweierlei maß.

    nachdem der artikel stundenlang ohne jeden kontext zu flüchtlingen auf der sartseite stand, wurde er nun dramaturgisch aufgepeppt.
    es wohnten mal flüchtlinge dort und schon hat man den passenden kontext. brandstifzung und den eventualfall unter dem stichwort ‚flüchtlinge‘ ist das lügenblättchen wie ich es kenne.

    interesant wird es dann baer weiter unten, wonach die belegung mit newcomern wegen problemen mit der brandschutzanlage eingestellt wurde. nachdem diese behoben wurden, werden flühtlinge nun wegen der desolaten wasseranlage nicht untergebracht. man ist da sehr penibel. was für flüchtlinge nun gar nicht geht, ist bei anderen nicht so wichtig.

    allerdings ist die unterkunft mit 200 gäste von insges. 204 betten derzeit belegt, die evakuiert werden mussten.

    der tumeb sonstige gast kann ja ansonsten gerne dort wohnen, da ist man nicht so penibel. mein versuch auf genau diesen umstand hinzuweisen, wurde erwartungsgemäß zensiert.

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/berlin-marzahn-ein-toter-bei-hotel-brand/12766116.html

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