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Tagesspiegel: Wo ist der Hass-Manager?

by - November 19, 2015

Atila Altun (Ich bin ja kein Nazi, aber …), der bisher zuverlässig den gerechten vom ungerechten Hass geschieden und gemanagt hat, lässt nach. Oder sollten die reduzierten Klickzahlen auf die Werbung, verursacht auch durch sein geschicktes Hass-Management, das denkende Leser verscheucht hat, der Grund sein? Wir wissen es nicht. Am 19.11.2015 um 14:42 Uhr wird ein Kommentar des Users Hick-Hack veröffentlicht, der sich im Zusammenhang mit dem steueralimentierten antirassistischen Kampf der antirassistischen Schüler- und Studentenschaft fachlich versiert und sehr differenziert mit der Sprache des Gender-Voodoo beschäftigt. Uns deucht aber trotzdem, hier könnte Hass im Spiele sein:

 Rassist*innen

Rassist*innen ist ein unzumutbarer Begriff. Das * in der Wortmitte schließt einzig Transmänner ein, da es sich nur auf die männliche Grundform des Wortes bezieht, während Transfrauen ignoriert werden. Hierfür müsste das * auch am Wortende zu finden sein – Rassist*inn*en.

Hinzu kommt, dass das * Andersartigkeit verdeutlicht, was sich jene mit * markierten Gruppen, gerade in Hinblick auf die deutsche Geschichte, nicht wünschen können. Statt des * sollte demnach eine Leerstelle verwendet werden, welche Platz für die eigene Identität lässt, aber Abweichungen nicht definiert – Rassist inn en.

Zudem gibt es noch Gruppen, welche sich lieber durch ein x die Möglichkeit der Eigendefinition des fluiden Geschlechts offenlassen. Es müsste demnach Rassist x inn xen heißen.

Nicht vergessen sollte man jene Bürger mit Legasthenie, gerüchteweise bei Rassist x inn xen besonders oft zu finden. Hierfür ist die Verwendung eines Symbols zur Kenntlichmachung angebracht. Statt des üblichen Symbols des Swastika sollte man ein weniger traumatisierendes Zeichen verwenden, etwa °, welches die Ausgrenzung Andersartiger zeigt – °Rassist x inn xen.

Wenn man aufgrund ideologischer Befindlichkeiten die Rechtschreibung eines Wortes verändern möchte, sollte man dies in seiner Gesamtheit und nicht in wenigen Teilen machen. Statt des generischen Maskulinums eine andere Schreibweise ohne Ausgrenzung zu finden, hört nicht mit einem * auf.

Sie halten das für maßlos übertrieben, geradezu menschenverachtend und hasserfüllt Gender-Voodoo diffamierend? Falsch. Das würde nur zeigen, dass sie dem alten Denken verhaftet sind und nicht wissen, was Gender-Voodoo bedeutet. Lesen Sie hier, was die Studx des Profx Lann Hornscheidt schreiben (wir wissen nicht, so tief stecken wir in der Materie auch nicht drin, ob es korrekt „Arschlöch*innen“ heißt, wenn wir die Damx und Herrx anreden wollten):

Liebe Student*innen der Gender Studies, liebe Interessierte,

Anfang Juli 2015 sah sich die weiß und mehrheitlich cis*-positionierte Fachschaft Gender Studies (FSI) dazu gezwungen, eine weiß und trans*-positionierte Person (R.) auszuschließen. Im Rahmen seiner_ihrer Fachschaftsarbeit kam es zu massiven rassistischen Äußerungen und Handlungen durch R. Dass erstmalig so ein drastischer Schritt, ein Ausschluss, nötig ist, möchten wir an dieser Stelle begründen und unsere Entscheidung öffentlich darlegen. Denn Rassismus ist keine Privatangelegenheit!

Im Zuge eines Seminars der Gender Studies bei Lann Hornscheidt im Sommersemester 2015 wurde gegen den, von Lann Hornscheidt ausgeübten, Rassismus interveniert. Eine beteiligte, cis-positionierte, PoC (N.) hat nach der Intervention die FSI davon in Kenntnis gesetzt.

R.s Reaktion darauf war in mehrfacher Hinsicht anmaßend und diskriminierend. Als weiße Trans*­ Person verlangte R. von der WoC spezifische Auskünfte über die race- und gender-Positionierungen innerhalb der Interventions-Gruppe. Denn schließlich sei der weiße Raum, in dem interveniert wurde, ein Schutzraum für Trans*-Personen. Somit müsse, als Legitimation, ein_e Trans*Inter*GnC (Gender non Conforming) PoC oder Schwarze_r in die Intervention involviert sein.

Wenn ein_e solche_r nicht gefragt werden könne, müsse letztlich eine weiße Trans*Inter*GnC Person die Erlaubnis erteilen, in einem „weißen Trans*Schutzraum“ zu intervenieren, zum Beispiel R. selbst.

N. weigerte sich, Auskünfte über die Positionierungen der Beteiligten zu geben. Die WoC wies R.s uneinsichtiges Beharren auf Antworten und diese Argumentationsweise an sich, als Ausdruck rassistischen Derailings und weißen Dominanzgebärens entschieden zurück.

Die FSI hält R.s Argumentation für falsch und rassistisch:

Eine PoC oder Schwarze Person braucht weder die Erlaubnis einer weißen Person, um gegen Rassismus zu intervenieren, noch ist sie ihr Rechenschaft oder Auskunft schuldig. Deswegen sind die tatsächlichen gender- und race- Positionierungen an dieser Stelle auch irrelevant. Das Nachfragen an sich, als auch der Glaube, ein Recht auf eine Antwort zu haben, sind in diesem Zusammenhang rassistisch.

Als weiße Person die Beteiligung einer Schwarzen oder PoC Trans*Inter*GnC-Person an einer antirassistischen Intervention gegen eine weiße Lehrperson zu fordern, verstehen wir als Tokenizing (Instrumentalisierung).

Die Darstellung dieses, weiß dominierten, Seminarraums als Schutzraum für Trans*-Personen trifft unserer Ansicht nach nicht zu. Es handelt sich um ein Universitätsseminar und nicht um einen Schutzraum. Selbst wenn der Raum trans*freundlich wäre, so wäre er dies nur für weiße Trans*­ Menschen, da er rassistisch strukturiert ist, wie alle Uni-Räume hier. Daher kann er kein „sicherer“ Raum für Schwarze oder PoC sein, gleich welcher Gender-Positionierung oder sexuellen Orientierung. Somit kann ein weißer Raum niemals als Schutzraum fungieren.

Und: Rassismuskritik zerstört oder destabilisiert keine Räume, sondern Rassismus und white supremacy (weiße Vorherrschaft)! Wenn weiße Räume als „meine Räume“ bezeichnet werden, wie R. es mehrfach tat, ist das nichts anderes als der traurige Versuch, den rassistischen Status Quo aufrechtzuerhalten.

Über diese rassistischen Äußerungen hinaus wurde N. fremdpositioniert und abgesprochen GnC zu sein. Ihr wurde vorgeworfen, das Konzept der Intersektionalität nicht zu verstehen. Dieser Vorwurf ist nicht nur gegenüber einer mehrfachdiskriminierten queeren WoC, sondern auch inhaltlich fehl am Platz. Neben der Zuschreibung Intersektionalität nicht zu verstehen, auch den Missbrauch der Definitionsmacht vorzuwerfen, ist zynisch. Strukturell besitzen weiße Menschen Definitionsmacht, insbesondere über Rassismus. R. verübte massive Grenzüberschreitungen, unter anderem vor allem dadurch, dass N.s ausdrückliche Bitte, keine Mails mehr zu erhalten, nicht respektiert und stattdessen verhöhnt wurde. Vielmehr folgten daraufhin, über mehrere Tage hinweg, über 20 weitere E-Mails. Dabei gab es sexistisch-rassistische Beleidigungen und Drohungen durch R.

Die FSI hat den Anspruch, Trans*feindlichkeit ernst zu nehmen und begrüßt die Auseinandersetzung mit und das Vorgehen gegen diese Diskriminierungsform.

Das Nicht-Eingehen auf rassistisch konnotierte Nachfragen zu einer antirassistischen Intervention ist jedoch keine Trans*feindlichkeit. Wir halten R.s Behauptung, N. hätte sich in diesem Konflikt trans*feindlich verhalten, für victim blaiming (Täter_innen-Opfer-Umkehr).

Auf eine Rassismuskritik zu reagieren, indem die eigenen, weißen Befindlichkeiten und Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt werden, verstehen wir als Derailing (Ablenkung vom eigentlichen Thema/ vom eigenen diskriminierenden Handeln).

Die dargelegten rassistischen Handlungen können wir nicht tolerieren. Sie sind unvereinbar mit unserem Selbstverständnis als Fachschaft. Eine weitere Zusammenarbeit mit R. ist so nicht möglich.

Fachschaftsinitiative Gender Studies

 

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