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Die Welt verstehen mit DiskursKorrekt – 11

by - September 30, 2015

Heute: Pragmatismus

Von Columbo

Kulturelle Missverständnisse und wie man ihnen begegnet – spannende Frage. Mit reichlich Flexibilität und Pragmatismus, meint Malte Lehming (Tagesspiegel vom 30.9.2015).

Ein kleiner Blick zurück, Mittwochmorgen, 6:00 Uhr, Lageso Berlin (BZ vom 30.9.2015):

„Kurz nachdem zunächst 50 Frauen mit Kindern auf das Gelände gelassen wurden, stürmten etwa 500 junge Männer das Areal und spurteten an den Frauen vorbei. Die etwa 20 Sicherheitsleute seien machtlos gewesen, schilderte Kostner. Erneut ignorierten viele Flüchtlinge die drei Schlangen, die eigentlich das Warten abkürzen sollen, und reihten sich irgendwo ein.“

Ach ja, diese kulturellen Missverständnisse … Frauen und Kinder zuerst? Nicht im Islam. Da wird man ja wohl noch mal flexibel vordrängeln dürfen, als junger Mann, der sich seit Syrien schon durch ganz andere Probleme gedrängelt hat. Und wie geht unsere zivilisierte Gesellschaft nun mit diesen Reibungspunkten um? Die „Aufnahmegesellschaft“ (dummdeutsch für: Deutschland) müsse nach Ansicht des Tagesspiegels seine Prinzipien über Bord werfen und pragmatisch handeln, sprich wegsehen, sich anpassen. Und überhaupt, Prinzipien, was für eine hässliche deutsche Erfindung. Da tarne sich doch nur der Unwille als Gesetzestreue. Interessant.

Eigentlich geht es Lehming vor allem um die Frage, ob Flüchtlinge nach Ethnie und Religion oder gar Clanzugehörigkeit getrennt untergebracht werden sollen. Damit sie sich nicht so ganz so fürchterlich auf die Fresse hauen. Lehming weiß: „In Fußballstadien werden Fangruppen ja auch nicht gemischt.“ Bestechendes Argument. Und in Schwimmbädern gibt es getrennte Duschen für Damen und Herren – was hat das damit zu tun?

Man sollte meinen, wer schon nach wenigen Tagen oder Wochen in Deutschland beweist, dass er mit anderen Spielarten der Religionen nicht kann, der habe damit eine eher negative Zukunftsprognose und sollte besser sehen, dass er gleich wieder heimfährt. Von dem ist wenig Gutes zu erwarten. Wer als Sunnit den Schiit verdrischt oder als frommer Moslem den säkularen, der hat ein strukturelles Psychoproblem, von dem ist eine Integration eher nicht zu erwarten, der wird auf alle Appelle, gefälligst nach mitteleuropäischen Werten zu leben, mit Verlaub: scheißen. Eine Perspektive als Fachkraft von morgen hat der nicht.

Aber ach, das sind doch Antworten von gestern, findet der Malte Lehming, Pragmatismus sei jetzt gefragt, wer Platz hat, soll ihn zur Verfügung stellen. Die Jesiden in die eine Ecke, Kurden in die andere, Salafisten nach oben, Dschihadisten nach unten. Flexibel bleiben!

Lehming, Fanatiker und Mann fürs Religiöse beim Tagesspiegel, hat bekanntermaßen ein großes Herz für alles, was mit Glauben zu tun hat. Die übelste barbarische Variante einer mittelalterlichen Religion ist ihm immer noch lieber als gar kein Gott. Nichts ist ihm verurteilenswert, solange es in irgendeiner Weise religiös begründet ist. So auch die Polygamie. Müssen wir dulden, basta. Deutschland muss toleranter werden, nicht so dünnhäutig auf Angriffe auf seine Identität reagieren. Sind doch alles Menschen. Gleiches Recht für alle? Je nun, da gibt es natürlich noch § 1306 BGB, der ein Eheverbot bei bereits bestehenden Ehen normiert. Pillepalle, meint Lehming mit atemberaubender Chuzpe, biegen wir mal flexibel zurecht, gilt einfach nicht für muslimische Zuwanderer.

Vielleicht tarnt sich in Deutschland mitunter Unwille als Gesetzestreue. Ob es aber besser ist, wenn sich Schwäche und Feigheit als Toleranz und Pragmatismus tarnen, bleibt abzuwarten. Wenn jeder Einwanderer seinen eigenen Werte- und Rechtekanon mitbringt, sind Anarchie und bürgerkriegsähnliche Unruhen vorprogrammiert. Wer von den Deutschen erwartet, sich anzupassen, die Rechtsordnung den eingewanderten Vorstellungen von Moslems zu unterwerfen, der ist entweder ein winselnder Masochist oder ein Bilderbuchopportunist, der im Dritten Reich seine wahre Freude gehabt hätte, der hängt sein Fähnchen in den faulen Wind des Stärkeren. Oder aber er ist einfach nur ein billiger Provokateur. Lehming ist alles zuzutrauen.

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12 Kommentare
  1. Brunnen permalink

    „Kulturelle Missverständnisse und wie man ihnen begegnet“

    Lesen Sie hier zum Thema den Bericht einer „Nazischlampe“:
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article147113546/Fluechtlingsfamilie-redet-nur-mit-maennlichem-Makler.html

  2. Burgunder permalink

    Um kulturelle Mißverständnisse ganz anderer Art kümmert sich gerade die Antifa. Die „Refugees Welcome“- Propagandabildchen sind nämlich weder gender- noch behindertengerecht. Fefe dokumentiert die Ungeheuerlichkeiten.

    http://blog.fefe.de/?ts=a8f3ec68

    Vielleicht könnte man auch noch die Schreibweise „Reefuges Welcome“ übernehmen, wie sie die besonders rechtschreibkundigen Heroen am Eastgate verwenden.

    • Columbo permalink

      Man sollte am Bahnhof ohnehin nicht mit „Refugees Welcome!“-Schildern winken, sondern mit Mohammed-Karikaturen. Sozusagen als erster Stresstest. Wer da ausflippt, darf gleich wieder einsteigen.

  3. Der nun wieder permalink

    Die Welt verstehen – heute mit Dieter Glietsch:


    Es ist wichtig, dass wir gerade in den Großeinrichtungen professionelle Heimbetreiber haben, die wissen, wie man das Risiko von Gewaltausbrüchen vermindert. Besonders wenn es um viele junge Männer geht. Man braucht da genug Betreuungspersonal, das genau hinguckt, was sich entwickelt und professionell reagiert, zum Beispiel durch frühzeitige Trennung erkannter Problemgruppen.


    Eine generelle nach Ethnien oder Religionen getrennte Unterbringung ist nach den bisherigen Erfahrungen in den Notunterkünften nicht erforderlich. Es genügt, genau hinzusehen.


    Wir haben mit der Messe vereinbart, die Halle 26 als Notunterkunft zu nutzen. Ab Donnerstag beginnen wir mit der Einrichtung, am Wochenende soll sie fertig sein. 1000 Menschen passen dort hinein. Bis zum 14. Dezember können wir die Halle nutzen, danach braucht die Messe sie für die Grüne Woche.

    Genauer Hinsehen hilft. Der erste, der das dann tut, kriegt nach den Worten „was guckst Du“ dann mindesens eins auf die Fresse.

    Nun geht man – wie von mir prognostiziert – auch an die Messehallen – und an das ICC. Der Standort ist übrigens auch in sofern praktisch, weil Berlins größter Puff (Artemis) in unmittelbarer Nähe liegt. Da geht dioch sicher auch noch was …

    Und das wird aber lustig, wenn dann Dreck und vollgeschissene Windeln auf die anliegende Autobahn fliegt und folkloristisch bunte Wäsche aus den Luken hängt.

      • Columbo permalink

        Und raten Sie mal, was pünktlich zum Beginn der Grünen Woche NICHT wieder freigeräumt sein wird?

        • Columbo permalink

          Das ist doch mal schön – Clash of cultures:

          „Die Halle 26, nahe Jafféstraße und Wandalenallee gelegen, soll insgesamt 1000 Personen beherbergen. Bei den Veranstaltern der in Kürze beginnenden Erotikmesse Venus war am Donnerstag die Überraschung groß. Sie nutzen ab dem 15. Oktober die nahegelegenen Hallen 18, 19 und 20.“

          🙂

          • Der nun wieder permalink

            Ja, daran habe ich auch gedacht. Wie gesagt, nach dem Anheizen ab ins nahe Artemis mit Gutscheinen von den Gutmenschen zum Gutf …

            😉

            • anda permalink

              Dazu habe ich hier mal einen Superkommentar aus dem TSP kopiert, bevor er wieder verschwindet:antworten

              von stachel.v.tagesigel
              01.10.2015 16:59 Uhr
              

              Venus hin, Venus her…
              …wenn wir jetzt schon unsere Freizügigkeit infrage stellen, weil nebenan vorübergehend Menschen beherbergt werden, die aus einem anderen Kulturkreis kommen, dann ist das das falsche Signal. Nicht wir müssen uns anpassen und integrieren, sondern die, die zuwandern. Wollen wir jetzt jedes zweite Schaufenster verhängen, so wie die Herren der fernen Schöpfung ihre leibeigenen Angetrauten…?

              Das hat der HSM bestimmt bloß übersehen, weil die Zensurdebatte in nicht zum zensieren kommen lässt 🙂

        • Der nun wieder permalink

          Na ja, vielleicht ist ja Syrien das Partnerland der Grünen Woche 2016? Dann würde das doch passen (falls bis dahin niemand merkt, dass in Halle 26 sonst immer die Viecher präsentiert wurden).

          🙂

          • anda permalink

            Aber doch hoffentlich nur Rindviecher und Schäfchen….wenn nicht, protestiert doch gleiich wieder jemand, das wäre ja noch schlimmer als Plastikarmbändchen.

  4. Burgunder permalink

    Einen nachträglichen Glückwunsch zum 70. hat Michael Klonovsky. Sein Zitat des Tages am 30.9. stammt von Stanisław Jerzy Lec:

    „Den Blick in die Welt kann man mit einer Zeitung versperren.“

    http://michael-klonovsky.de/acta-diurna/item/268-september-2015

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