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Ein Frankfurter Würstchen in den Hausflur werfen

by - September 21, 2015

Von Hebold

Neben Frankurter Würstchen, die man nach einem sarkastischen Spruch in einen Hausflur werfen kann und frau spürt trotzdem nichts mehr, gibt es auch Frankfurter Nebelkerzen – die wirft man in einen Hausflur und keiner sieht klar. Eine besonders raffinierte Version hat die FAZ heute unter der Überschrift »Wer kommt da eigentlich zu uns?« gezündet. Ja, man könnte geradezu von rhetorischer Streumunition sprechen. Denn sie gibt sich klar, indem sie mit Zahlen aufwarten kann und nebelt ein in jedem Detail.

Konkret:

Allein im August kamen 105.000 Migranten nach Deutschland. Fast die Hälfte (45 Prozent) von ihnen waren Syrer. In der Statistik folgen Afghanen (11 Prozent), Iraker (9 Prozent), Albaner (8 Prozent), Pakistaner (5 Prozent) und Eritreer (3 Prozent).

Doch so konkret die Zahlen auch sind: Sagen tuen sie zunächst einmal nichts. Besser wird´s da schon unter der dubiosen Überschrift: »Die Altersstruktur ist positiv«:

Die Asylbewerber sind demnach deutlich jünger als die heimische Bevölkerung. Ein Viertel sind Kinder. Ein weiteres Viertel ist zwischen 16 und 25 Jahre alt, ein drittes Viertel zwischen 15 und 35 Jahren.

Nachdem er hier die erste Nebelkerze geworfen hat – die Zählung nach Vierteln über sich überlappende Bereiche –, erläutert der Autor uns, was an diesen Zahlen positiv ist:

Die Altersstruktur ist positiv: Viele Migranten sind im richtigen Alter, um sich hier eine Existenz aufzubauen. Sie werden sehr lange arbeiten, bevor sie das Rentenalter erreichen. Es wird es in den nächsten Jahren noch einen erheblichen Nachzug von Familienmitgliedern geben. Die Kinder dürfen ihre Eltern und minderjährigen Geschwister nachholen, Männer ihre Ehefrauen und Kinder – nicht aber die Großeltern. Es gibt Bedingungen: Wer Familienmitglieder nachholt, muss über ausreichend Wohnraum verfügen und für deren Lebensunterhalt aufkommen können; Nachziehende müssen Deutschkenntnisse vorweisen.

Dieser Absatz strotzt nur so vor Naivität, fast möchte man sagen: Vor Blödheit. Denn selbst nach der verfälschenden Viertelung, die uns zuerst aufgetischt wurde, sind maximal 50% im arbeitsfähigen Alter. Und was das Nachholen von Frauen und Nebenfrauen betrifft, sind die Orientalen nicht eben ungeschickt. Das sollten die deutschen Behörden eigentlich wissen.

Was den Bildungsstand der Asylanten betrifft, heißt es:

13 Prozent haben eine Hochschule besucht, 18 Prozent ein Gymnasium, 30 Prozent waren auf einer Mittelschule, 24 Prozent nur auf einer Grundschule; acht Prozent verfügen über gar keine Schulbildung. Knapp die Hälfte gab an, aus guten oder durchschnittlichen wirtschaftlichen Verhältnissen zu stammen.

Wieder finden wir bei der Angabe der Prozente die gleiche Masche wie schon zuvor. Doch selbst, wenn man die Zahlen mal hinnimmt, wird es nicht besser:

Syrer haben ein deutlich höheres Bildungsniveau. Ein Viertel hat studiert, ein weiteres Viertel war auf dem Gymnasium, ein Viertel auf der Mittelschule und 17 Prozent lediglich auf der Grundschule.

Wie der Autor aus den Differenzen ein »deutlich höheres Bildungsniveau« der Syrer herauslesen kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn man den generell schwachen Aussagewert der Zahlen beachtet, weil einfach nicht klar ist, welchen Wert ein syrisches Abitur in Deutschland überhaupt hat, dann ist die Rede vom deutlich höheren Bildungsniveau schlicht leeres Stroh.

Doch das scheint der Frankfurter Autor zu wissen. Und daher feuert er nun eine ganze Kaskade von Nebelkerzen in seinen Artikel:

Die Bundesagentur für Arbeit versucht mit einem Modellprojekt zu ermessen, wie sich Asylbewerber in den Arbeitsmarkt integrieren. Erste Erkenntnis: Nur jeder Zehnte kann direkt vermittelt werden. Arbeitsministerin Nahles hat sich in letzter Zeit öfter darauf berufen. Doch ist Vorsicht geboten. Die Zahl wurde in einem Modellprojekt ermittelt und bezieht sich auf nur gut 800 Asylbewerber. Ein Teil der Bewerber steckt noch im Sprachkurs und hat sich gar nicht beworben. Ein anderer verschwindet vom Schirm, sobald Asyl genehmigt wurde. Es ist zu früh, aus dem Projekt weitreichende Schlüsse zu ziehen.

Eigentlich ist mit dem Resümee der Bundesagentur »Nur jeder Zehnte kann direkt vermittelt werden« alles klar. Aber nun beginnt das Drehen und Wenden, Biegen und Brechen. Wo die Bundesagentur längst Klarheit geschaffen hat, mogelt sich die FAZ künstlich in den Stand der Nichterkenntnis. Frei nach dem Motto: Wo nichts klar ist, kann man weiter wurschteln.

Köstlich wird es wie immer, wenn es um die Kriminalität der Flüchtlinge geht. Denn die liegt nach den Erkenntnissen der Polizei achtmal höher als im Bevölkerungsdurchschnitt – und das ohne Verstöße gegen das Ausländerrecht:

Besonders bei kleineren Delikten, etwa Taschendiebstählen, fällt der Verdacht oft auf einen Asylbewerber. Auch in sieben Prozent der „räuberischen Diebstähle“ verdächtigt die Polizei diese Gruppe. Das hängt mit der schlechteren wirtschaftlichen Lage der Migranten zusammen.

Einmal abgesehen davon, dass der Hinweis auf die wirtschaftliche Lage als Nebelkerze in die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs gehört, tuen sich bei dem Gedanken, dass sich diese Leute in einem Land, das sie überwiegend freundlich aufgenommen hat, erstmal Helfer und Nachbarn beklauen, moralische Abgründe auf. Aber die Allesversteher werden das schwerlich verstehen. Sie haben ja keine Moral.

Wenn man nun denkt, das Arsenal an Nebelkerzen sei fürs erste geleert, dann irrt man. Was folgt, ist eine Durcheinander von Zahlen, die der Autor wieder und wieder relativiert:

Allerdings sind Asylbewerber auch bei Körperverletzungen überdurchschnittlich häufig tatverdächtig – in 8,5 Prozent der Fälle. Am häufigsten werden sie verantwortlich gemacht für ein Delikt, das mit dem Leben in Sammelunterkünften im Zusammenhang steht: Fast jeder dritte Tatverdacht für die Beteiligung an einer Schlägerei fällt auf Asylbewerber (28 Prozent). … Auch bei fünf Prozent der Morde im Zusammenhang mit Raub, in vier Prozent der Totschlags-Delikte und bei fünf Prozent der Vergewaltigungen fällt der Verdacht auf einen Asylbewerber. … In der Kriminalstatistik sammelt das Bundeskriminalamt Angaben aus allen Polizeidienststellen. Die Verdächtigen werden nach ihrer Herkunft und der Art ihres Aufenthalts unterschieden. Daneben gibt es die Verurteilten-Statistik des Statistischen Bundesamts. Sie unterscheidet jedoch nicht nach dem Aufenthaltsstatus der Verurteilten, sondern nur nach ihrer Nationalität. Die Verbrechen liegen oft Jahre zurück – weshalb man die Zahl der Verurteilten nicht in Zusammenhang mit der Zahl der Asylbewerber bringen kann. Insgesamt stellt selbst eine Million Asylbewerber nur einen kleinen Teil der Bevölkerung in Deutschland dar.

Und nach diesem Zahlen- und Faktenragout resümiert der Autor der Frankfurter Zeitung:

Vor einem dramatischen Anstieg der Kriminalität braucht also niemand Angst zu haben.

Kein Wunder, dass man von der intellektuellen Größe dieses Frankfurter Autors wirklich nirgends was spürt.

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One Comment
  1. yakiz permalink

    …………………und wer trotzdem Angst hat, braucht ja nur mehr in die Kirche gehen, sagt sogar Mutti Merkel………

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