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Die Welt verstehen mit DiskursKorrekt – 6

by - Februar 28, 2014

Heute: Logische Zusammenhänge

von Columbo

Wer schmeißt denn da mit Lehm, der sollte sich was schämen, der sollte doch was anderes nehmen als ausgerechnet Lehm“, heißt es in einem Berliner Volkslied. Ersetzen wir doch mal „Lehm“ mit „Antisemitismus-Vorwürfe“, und schon haben wir die herrlichste und absurdeste Schlammschlacht, Lehmschlacht, was auch immer, der letzten Wochen.

Was war passiert? Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, kauft Whatsapp, die Branche befürchtet die totale Kontrolle über das gesamte Internet. Die Süddeutsche veröffentlicht eine Karikatur, die Zuckerberg als Kraken zeigt, der seine unzähligen Arme um die PCs dieser Welt schlingt. Der Krake ist auf den ersten Blick dem Film „Fluch der Karibik 2“ entnommen, in dem Davy Jones einen Krakenmann spielt, inklusive Piratenhut.

Antisemitismus!schreit aber das Simon-Wiesenthal-Zentrum. Die Karikatur erinnere in unerträglicher Weise an antisemitische Nazi-Propaganda, typisch auch, den Juden mit Hakennase und als Kraken darzustellen. Auch israelische Medien berichteten. Es handele sich um eine fast exakte Kopie einer Nazi-Karikatur aus dem Jahre 1938, die einen Kraken mit Davidstern zeigt, der die Weltkugel umschlingt.

Das wirft einige Fragen auf. Zum einen ist die Süddeutsche so vom Kampf gegen Rechts erschöpft, dass für antisemitische Propaganda eigentlich weder Raum noch Zeit ist. Auch der Karikaturist Burkhard Mohr ist, mal von seinem höchst unglücklichen Nachnamen abgesehen, eigentlich eher unverdächtig.

Aber gehen wir mal einen Schritt weiter: Denkt der, der in jeder Hakennase einen Juden erkennt, nicht selber irgendwie in antisemitischen Kategorien? Haben alle Juden eine Hakennase? Gibt es da ein ominöses jüdisches Gen, das für Hakennasen verantwortlich ist? Kurzum, darf man keine Hakennasen mehr zeichnen, ohne sich dem Vorwurf des Antisemitismus auszusetzen?

Und nun gehen wir noch einen Schritt weiter: Ist denn Mark Zuckerberg überhaupt Jude? Das wäre doch denklogisch die Grundvoraussetzung, damit die erhobenen Vorwürfe greifen. Persönliche Merkmale oder Eigenschaften zu karikieren, auch in Beleidigungsabsicht, setzt ja voraus, dass diese Merkmale in der Person des Karikierten überhaupt vorliegen.

Und so lautet die Antwort:

User pedro_kms am 26.02.2014 um 14:39 Uhr

***

Mark Zuckerberg ist Atheist und kein Jude!

Hm. Damit fallen doch die Vorwürfe zusammen wie ein Kartenhaus? Aber nein, keineswegs, weiß User p.petersen am 26.02.2014 um 15:05 Uhr

Das hindert Antisemiten nicht, …

… ihren Antisemitismus auszuleben. Das hat konvertierte Juden in der NS-Zeit nicht gerettet und verschont Juden auch heute nicht. Im Übrigen braucht Antisemitismus keine Juden, um als (menschenverachtendes) System zu funktionieren.

Das ist neu. Und erstaunlich. Mark Zuckerberg wird karikiert, und in der Annahme, Zuckerberg sei Jude, wird die Darstellung als gieriger Krake als Antisemitismus ausgelegt. Dass Zuckerberg aber gar kein Jude ist (oder sich nicht als solcher versteht), ist offenbar ganz egal. Der Antisemitismus funktioniert auch so. Logisch? Mitnichten. Mit dieser Argumentation könnte ich auch Papst Franziskus als Moslem mit Bombe auf dem Turban zeichnen und so meine Islamophobie beweisen. Ein Versuch am untauglichen Objekt, würde der Jurist sagen. Aber die Verwirrung ist perfekt.

Halten wir fest: Gegenstand der Karikatur ist Mark Zuckerberg. Diese Karikatur soll judenfeindlich sein. Denn Zuckerberg hat (wie jeder Jude?) eine Hakennase. Außerdem wurden Juden bereits im Dritten Reich als Kraken dargestellt. Daraus wird mit bestechender Unlogik gefolgert, dass die Zeichnung auf Zuckerbergs Judentum anspielt – und obwohl er gar kein Jude ist, sei die Karikatur dennoch antijüdisch, das funktioniere auch so. Uns schwirrt der Kopf.

Die adäquate Antwort überlassen wir daher dem nüchternen User Roter-Blitz, der am 26.2.2014 um 15:05 Uhr so antwortet:

Hmmm, Ihre Logik

trägt ja schon geradezu inquisitorische Züge. Mir fehlt dann nur noch der Hinweis darauf, dass man Antisemiten an ihrer deutlichen Stellungnahme gegen Antisemitismus erkennt, womit die wahren Antisemiten nur verschleiern wollen, Antisemiten zu sein. Das geht dann irgendwann in Richtung Catch 22: Egal, was auch immer du tust, es wird garantiert das Falsche sein.

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